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Georg Häfners Leben

 Georg Häfner wurde am 19. Oktober 1900 in Würzburg als Sohn eines städtischen Arbeiters geboren. Im letzten Kriegsjahr 1918 legte er das Abitur ab und wurde zum Heer einberufen. Sein Theologiestudium begann er 1919 und schloss sich 1920 dem Dritten Orden vom Berge Karmel an, von dem er den Namen Aloysius vom Heiligsten Sakrament empfing. Am 13. April 1924 wurde er in der Würzburger Michaelskirche zum Priester geweiht. Seine Kaplansjahre verbrachte er von 1924 bis 1928 in Motten, Goldbach, Mürsbach und Altglashütten und übernahm schließlich am 12. November 1934 die Pfarrstelle in Oberschwarzach.

Bereits in seiner Kaplanszeit erregte er wegen seiner kritischen Haltung den Argwohn der Nationalsozialisten. so wurde er angezeigt und verfolgt, konnte sich jedoch in Maria Ehrenberg erfolgreich vor dem NS-Regime verstecken. Auch als Pfarrer von Oberschwarzach machte er sich verdächtig, weil er den Hitlergruß verweigerte, weshalb er 1938 mit einem Schulverbot belegt wurde. Von da an war er gezwungen den Beicht-, Erstkommunion- und Firmunterricht in einem Turmzimmer des Schlosses von Oberschwarzach heimlich abzuhalten.

Zum Verhängnis wurde ihm schließlich sein Vorgehen im Fall des Forstwarts Michael Wünsch. Dem exkommunizierten Parteigenossen ließ Häfner auf dem Sterbebett eine Erklärung unterschreiben, in der dieser seine zweite, standesamtlich geschlossene Ehe vor Gott und seinem Gewissen als ungültig erklärte. Im Oktober 1941 wurde der unliebsame Priester deswegen von der Gestapo verhaftet. Offiziell warf man ihm vor, er habe die Bevölkerung aufgehetzt, das priesterliche Amt missbraucht und damit die „innere Front“ geschwächt. Das Gesuch des Generalvikars Dr. Franz Miltenberger Häfner unverzüglich freizulassen scheiterte und sechs Wochen später wurde er in das KZ Dachau zur "Schutzhaft" gebracht.
Bei seiner Ankunft sei Häfner bereits blutig geschlagen worden, berichteten Mitgefangene, doch er, den Mithäftlinge als sensiblen, tieffrommen Mann schilderten, habe nie geklagt. Sein Schicksal habe er als Kreuzweg in der Nachfolge Christi gesehen, das Gebet stand im Mittelpunkt seiner letzten Monate. Der Mithäftling Oberpfarrer Franz Geiger beschrieb Häfner als sehr stillen, frommen, bescheidenen Priester, der ergeben sein Kreuz getragen habe. „Nie hat man ein ungutes Wort von ihm gehört. Er betete sehr viel und war in sich gekehrt. Er war von uns Priestern geachtet und wurde allen zum Vorbild“.

Im August 1942 traten bei Pfarrer Häfner deutlich die Anzeichen von Unterernährung auf. Es erfasste ihn das Hungergespenst. Füße, Hände, Kopf zeigten die bekannten Schwellungen", erinnerte sich der Münsterschwarzacher Benediktinerpater Sales Hess. „Wahrscheinlich ist, nachdem er mit Wasser behaftet war, Phlegmone entstanden. Nach drei Tagen war er eine Leiche. Er ist wohl ganz einsam gestorben“ berichtete Pfarrer August Eisenmann.

Georg Häfner stirbt am 20.August 1942 um 7.20 Uhr an den Folgen von Misshandlung, Unterernährung und Krankheit. Noch ein halbes Jahr vor seinem Tod schrieb er: "Trost, Kraft und alles finden wir im Gebet und in der Hingabe an Gott". - Dieses "Lebenszeichen aus einem Todeslager" sage deutlich, was in Kirche und Gesellschaft in Glaubens- und Kriegsnöten unserer Tage nötig sei, mahnte Weihbischof Helmut Bauer beim Gedenkgottesdienst zum 50.Todestag. Mit Menschen wie ihm sei das "teuflische System des Nationalsozialismus" von innen her überwunden worden.

Am 18. September des Jahres 1942 wurde die Urne im Priestergrab auf dem Würzburger Hauptfriedhof unter starker Beteiligung der Zivilbevölkerung und des Klerus beigesetzt. Vierzig Jahre später wurde sie von Bischof Paul-Werner Scheele in die Krypta der Neumünsterkirche überführt. 1986 wurde vom Bistum Würzburg auf Antrag der Dachauer Priestergemeinschaft und des Priestervereins der Diözese der Seligsprechungsprozess eingeleitet. Das Bischöfliche Erhebungsverfahren wurde 1992 eröffnet, für welches Domkapitular Günter Putz als Postulator dieses Prozesses bestimmt wurde, Bischöflicher Beauftragter für das Erhebungsverfahren wurde DDr. Adam Zirkel. Der Franziskanerpater Dr. Marijan Franc Cafuta hat als sog. Promotor iustitiae an die 900 Seiten Aktenmaterial zusammengestellt, darunter 16 Briefe des KZ-Gefangenen, Gestapo-Dokumente, Protokolle über Vernehmungen von Weggefährten, Zeugnisse der Verehrung Häfners und Berichte über Gebetserhörungen. Auch ein Bericht über ein Wunder ging in die Akten ein: Der Generalvikar der Diözese Kiyinda-Mityana/Uganda, Monsignore Paul Muyombya sagte aus, dass eine Frau auf Anrufung Pfarrer Häfners geheilt worden sei.

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann hat in der Kilianiwallfahrtswoche 2009 bekannt gegeben, dass Papst Benedikt XVI. Pfarrer Häfner offiziell als Märtyrer anerkannt hat. Damit steht einer baldigen Seligsprechung nichts mehr im Weg.


Jerzy Staus (gekürzt und verändert von Hendrik Weingärtner)

Literatur:
+ Günther Putz. „Gott ist der Grund: Das Lebenszeugnis von Georg Häfner. Einsichten in das
Priesteramt.“. Würzburg: Echter-Verlag 2000. 122 Seiten.